Autoreifen
Das Rad eines Automobils besteht aus der Felge und dem Reifen. Es setzt die Kraft des Motors in Bewegung um. Dabei müssen die Autoreifen extreme Belastungen aushalten. Bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h dreht sich der Reifen mehr als 1.000 Mal in der Minute bei einer Belastung von fast 2 Tonnen. Wie gewaltig der Abrieb des Materials bei hohem Geschwindigkeitsvorteil ist, zeigen die komplett auf der Piste liegenden Formel-I-Reifen. Hier müssen die Fahrer mindestens zwei Mal in einem Rennen die verschlissenen Reifen zu wechseln. Autoreifen muss aber nicht nur eine optimale Kraftübertragung gewährleisten, sondern auch eine langfristige und stabile Bewegung sichern.
Diagonalreifen und Radialreifen
Von der Bauart her werden Autoreifen in Diagonalreifen und Radialreifen unterschieden. Beide sind in der Regel schlauchlos. Den Unterschied macht das Grundgeflecht eines Reifens (Karkasse), für das bei Diagonalreifen eine durchgehende Überkreuzung (diagonal zur Fahrtrichtung) typisch ist. Radialreifen erreichen mit ihren quer zur Fahrtrichtung ausgelegten Karkassenlagen und einer härteren Schicht unter der Lauffläche (von der sich auch das Synonym Gürtelreifen ableitet), eine höhere Lebensdauer des Reifens sowie eine Verbesserung der Bodenhaftung bei Nässe und in Kurven. Radialreifen halten mehr als doppelt so lange wie Diagonalreifen bei vergleichbarer Belastung. Deswegen sind Diagonalreifen heute weniger gefragt am Markt.
Da die Radialreifen den Markt beherrschen, liegt für die Autofahrer die eigentliche Unterscheidung der Reifenarten heute deshalb in den Kategorien Sommerreifen und Winterreifen. Um einen Reifen perfekt an die äußeren Bedingungen wie Trockenheit, Nässe, Eis und Schnee anzupassen, gibt es über 200 Materialien. Ein einziger Reifen kann aus 12 unterschiedlichen Kautschukmischungen bestehen. Besonders das Profil eines Reifens beeinflusst die Geschwindigkeit und die Fahrsicherheit. Was es dabei genau zu beachten gilt, erfahren Sie in den Beiträgen Sommerreifen und Winterreifen.
Grundsätze der Bereifung
Die besten Fahreigenschaften werden erreicht, wenn alle Räder eines Fahrzeugs mit identischen Reifen ausgestattet sind. Eine so genannte Mischbereifung liegt vor, wenn unterschiedliche Reifentypen verwendet werden. Auf einer Achse darf jedoch immer nur der gleiche Reifentyp verwendet werden. Da die Reifen auf der Antriebsachse stärker abgenutzt werden, empfiehlt sich pro Saison, wenigstens aber alle 10.000 km, ein Wechsel der Achsenbereifung. In Deutschland muss die Profiltiefe eines Reifens mindesten 1,6 Millimeter betragen. Werden bei einer Fahrzeugkontrolle geringere Tiefen festgestellt, kann ein Bußgeld verhängt sowie die Auflage zur schnellstmöglichen Behebung des Mangels erteilt werden. Das Reserverad gilt übrigens nicht als gesetzlich vorgeschriebener Ausrüstungsgegenstand.
Reifen und Luftdruck
Der Mindestreifendruck ist für jedes Fahrzeug vom Hersteller festgelegt, meist mit einem unterschiedlichen Reifendruck für den Leerzustand und die volle Beladung. Ein um etwa 0,2 bar erhöhter Reifendruck gilt als optimale Größe, die den Kraftstoffverbrauch etwas senkt, die Lebensdauer des Reifens verlängert und die Fahrsicherheit unterstützt. Größere Abweichungen rufen Probleme hervor. Wird der vorgeschriebene Reifendruck unterschritten, erhöht sich der Rollwiderstand, was zu einem schwammigen Fahrverhalten und überdurchschnittlicher Wärmeentwicklung bei hohen Geschwindigkeiten führt. Ist der Reifendruck zu hoch, leidet der Fahrkomfort. Zwar verbessert sich mit dem höheren Reifendruck der Seitenkraftaufbau, aber durch die insgesamt steifere Konsistenz wird die Fahrweise härter und die Bodenhaftung nimmt ab. Wer aber mehr als 130 km/h als Reisegeschwindigkeit hat, kann auch bis zu 0,6 bar mehr Druck auf die Reifen bringen. Der Höchstdruck beträgt 3,0 bar.
Lebensdauer und Lagerung von Reifen
Auch wer kontinuierlich die Reifen wechselt und wenig fährt, sollte nach spätestens 7 Jahren neue Reifen auf
die Räder bringen. Zwar mag das Profil noch ausreichend sein, aber das Material verhärtet über einen längeren Zeitraum und wird spröde. Damit steigt die Gefahr, dass der Reifen defekt wird. Die Lagerung der Reifen sollte in kühlen, trockenen und dunklen Räumen erfolgen, auf Rädern übereinander gestapelt oder als einzelner Reifen stehend. Sonneneinstrahlung ist auf jeden Fall zu vermeiden. Der Luftdruck wird bei der Einlagerung um 0,5 bar erhöht, denn der Reifen verliert auch Druck, wenn er nicht im Einsatz ist. Um die Reifen später wieder ihrer ursprünglichen Radstellung zuordnen zu können, werden sie entsprechend mit Kreide markiert (z.B. VL = vorn links). Viele Autowerkstätten bieten die Einlagerung als Service an. Bei der Gelegenheit können die Reifen auch gleich auf Schäden untersucht werden. Das Produktionsjahr erkennt man an den letzten vier Ziffern der DOT-Nummer, z.B. 1001 = 10. Kalenderwoche 2001. Auf einem Reifen befinden sich bis zu 30 Kennzeichen mit z.T. rechtsverbindlichen Hinweisen für den Fahrer.